Das Lebenswerk in neue, mitunter fremde Hände zu geben, ist für niemanden leicht. Viele mittelständische Unternehmer schieben die Nachfolgeplanung deshalb auf „irgendwann“ auf. Dabei sollte eine Nachfolge gut durchdacht und möglichst frühzeitig in Angriff genommen werden. Andernfalls kann das geschaffene Lebenswerk noch vor der Übergabe enden.
Das aktuelle Nachfolge-Monitoring Mittelstand der KfW zeigt, wie groß das Thema Nachfolge geworden ist. Bis Ende 2029 streben rund 545.000 Unternehmen eine Nachfolgelösung an. Doch dieser positiven Zahl stehen rund 569.000 Unternehmen gegenüber, die eine Geschäftsaufgabe planen. Erstmals wollen mehr Betriebe schließen als übergeben – jedes vierte Unternehmen erwägt die Stilllegung, oft intensiver Suche nach einem Nachfolger und tragfähigem Geschäftsmodell.
Die Folgen treffen die Wirtschaft im Mark. Es droht der Verlust von:
- Millionen Arbeitsplätzen
- Eingespielten Kundenbeziehungen und stabilen Lieferketten
- Regionaler Versorgung
- Know-how und Unternehmenswerten
Doch warum scheitern so viele Übergabepläne? Die Antwort liegt meist Jahre vor dem Ausstieg.
Fünf typische Fehler bei der Nachfolgeplanung
1. Zu spät beginnen
Viele Unternehmer starten mit der Nachfolgeplanung erst, wenn der eigene Rückzug bereits kurz bevorsteht. Die Folge: Es fehlt die Zeit, um einen passenden Nachfolger zu finden, Finanzierungsfragen zu klären und das Unternehmen – inklusive Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten – auf den Wechsel vorzubereiten.
Besser: Mindestens fünf Jahre vor der geplanten Übergabe verschiedene Optionen strategisch prüfen: familieninterne Übertragung, Management-Buy-Out, Management-Buy-In, M&A.
2. Familie als einzige Option sehen
Der Wunsch nach einer familieninternen Nachfolge ist groß. Viele Inhaber hoffen schlicht darauf, dass Kinder oder Enkel das Interesse teilen. Das ist in der modernen Arbeitswelt jedoch längst nicht mehr selbstverständlich.
Besser: Frühzeitig das offene Gespräch suchen, um ehrliches Interesse und reale Bereitschaft abzufragen und bei Bedarf rechtzeitig externe Alternativen zu prüfen.
3. Eignung blind voraussetzen
Unternehmertum lässt sich nicht vererben beziehungsweise ohne Weiteres an einen Externen übertragen. Nachfolger müssen in die Rolle reinwachsen, Prozesse verstehen und Akzeptanz im Team aufbauen. Das dauert oft Jahre. Bei kurzfristigen Übergaben fehlt diese Zeit.
Besser: Ein klares Anforderungsprofil erstellen und eine strukturierte, mehrjährige Einarbeitungsphase einplanen, in der schrittweise Verantwortung und Kompetenzen übergeben werden.
4. Kaufpreis nach „Bauchgefühl“ festlegen
In den letzten Jahren sind die Kaufpreisvorstellungen von Alt-Inhabern deutlich gestiegen. Laut KfW durchschnittlich auf rund 499.000 Euro. Verkäufer koppeln den Preis oft an ihre Lebensleistung und die eigene Altersvorsorge. Käufer hingegen blicken stärker auf Erträge, Zukunftsfähigkeit und Risiken. Eine Diskrepanz, die viele Deals scheitern lässt.
Besser: Auf eine objektive, professionelle Unternehmensbewertung setzen. Ein realistischer, marktgerechter Preis verhindert, dass Verhandlungen schon in der Anfangsphase scheitern.
5. Vollständig von einer Person abhängig sein
Je stärker Fachwissen, Kundenkontakte und strategische Entscheidungen auf den aktuellen Inhaber fixiert sind, desto riskanter ist die Übernahme für einen Nachfolger. Bricht der Kopf des Unternehmens weg, droht der Kollaps.
Besser: Den Inhaber rechtzeitig „überflüssig“ machen. Strukturen früh professionalisieren und dokumentieren: Klare Prozesse einführen, für transparente Finanzen sorgen und eine starke zweite Führungsebene aufbauen
Sie haben Fragen zur Unternehmensnachfolge oder brauchen Unterstützung? Unser Experte Ronny Baar hilft Ihnen gerne weiter.
