Häufig bestehen selbst bei erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten noch Sanierungschancen für Betriebe. Entscheidend ist jedoch, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen und passende Maßnahmen einzuleiten. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und welche Möglichkeiten Unternehmen haben, zeigt unser Beitrag.
Die Krise selbst ist selten das eigentliche Problem, sie kann jeden Betrieb einmal treffen. Kritisch wird es, wenn Entscheidungen zu lange hinausgezögert werden. Viele Unternehmer warten in der Hoffnung auf eine kurzfristige Verbesserung weiter ab, obwohl die wirtschaftlichen Kennzahlen bereits deutlich auf eine Schieflage hinweisen. Dabei ist eine Unternehmenssanierung sowohl außerhalb als auch innerhalb eines Insolvenzverfahrens häufig erfolgversprechend.
Sanierung oder Abwicklung?
Damit eine realistische Neuaufstellung und Fortführung gelingt, braucht ein Unternehmen aber eine noch tragfähige wirtschaftliche Grundlage. Grundsätzlich bestehen dabei unter anderem diese drei Szenarien:
- Sanierung außerhalb der Insolvenz, wenn die Krise frühzeitig erkannt und gehandelt wird.
- Neuaufstellung innerhalb eines Insolvenzverfahrens, wenn das Unternehmen fortgeschritten kriselt aber weiterhin fortführungsfähig ist.
- Geordnete Abwicklung, wenn eine nachhaltige Fortführung nicht mehr realistisch erscheint.
Warum ist frühes Handeln sinnvoll?
Bei ersten Krisenzeichen stehen Unternehmen meist noch deutlich mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung als in akuter Schieflage. Finanzierungen können leichter neu strukturiert, Kosten angepasst, Gespräche mit Gläubigern geführt oder betriebliche Neujustierungen umgesetzt werden.
Ist die Krise erst im Entstehen, sind Kundenbeziehungen, Lieferketten und das Vertrauen der Geschäftspartner häufig noch stabil. Dadurch lassen sich Veränderungen auch außergerichtlich wesentlich einfacher umsetzen als in einer existenziellen Notlage.
Sanierung in der Insolvenz: ein häufiges Szenario
Auch ein Insolvenzverfahren bedeutet aber nicht zwangsläufig das Ende eines Unternehmens. Denn das Insolvenzrecht bietet einige Instrumente, die eine Sanierung ausdrücklich unterstützen. Hier einige davon:
- Eigenverwaltung oder Schutzschirm, bei denen die Geschäftsleitung das Unternehmen unter Insolvenzschutz und Aufsicht eines Sachwalters selbst weiter steuert und saniert
- Das Insolvenzplanverfahren zur einvernehmlichen Regelung und einem Schuldenschnitt mit den Gläubigern
- Die übertragende Sanierung, bei der das Unternehmen an einen Investor übergeben wird
- Ein Sonderkündigungsrecht für unrentable Verträge
- Das Insolvenzgeld, um Löhne und Gehälter für bis zu drei Monate im Verfahren zu sichern
Es kommt auf die Fortführungsfähigkeit an
Sie beschreibt, ob das Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb in den kommenden Monaten fortsetzen und seine fälligen Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann. Das erfordert allerdings eine belastbare Prognose. Die Grundlage: eine realistische Liquiditäts- und Unternehmensplanung. Dafür spielen etwa diese Faktoren eine Rolle:
- Ausreichende Liquidität
- Realistische Finanzierungszusagen
- Ertragsaussichten
- Angemessene Kostenstruktur
Welche Kriterien bestimmen die Sanierbarkeit noch?
Ob ein Unternehmen saniert werden kann, wird in der Praxis anhand weiterer Kriterien beurteilt. So wird geprüft, ob das Geschäftsmodell grundsätzlich wieder wirtschaftlich tragfähig werden kann. Gerade in der Insolvenz geht es auch darum, ob eine Fortführung wirtschaftlich sinnvoller ist als eine Liquidation. Zudem ist zentral, dass Banken, Gesellschafter, Mitarbeitende sowie weitere Beteiligte die geplanten Maßnahmen mittragen.
Hinzu kommen Faktoren wie eine gesicherte Finanzierung über den gesamten Sanierungszeitraum, ein nachvollziehbares Sanierungskonzept sowie die künftige Kapitaldienstfähigkeit des Unternehmens.
Aber: Nicht jede Krise ist lösbar …
Kritisch wird es, wenn Liquidität und Zeit für die Umsetzung von Rettungsmaßnahmen fehlen, das Geschäftsmodell keine Perspektive bietet oder es schlicht kein tragfähiges Sanierungskonzept gibt. Brechen zudem Kunden, Finanzierung oder allgemein das Vertrauen in das Unternehmen weg, bleibt oft nur die Verwertung.
Sie möchten deshalb frühzeitig einschätzen, ob Ihr Unternehmen noch sanierbar ist, Sie brauchen ein Konzept für eine Neuaufstellung? Unser Experte Ronny Baar unterstützt Sie.
Disclaimer: Dieser Beitrag ersetzt keine insolvenzrechtliche Beratung. Wenden Sie sich bei juristischen Themen immer an Ihren Rechtsanwalt mit der entsprechenden Expertise.
