Steckbrief Unternehmensfinanzierung: die Mezzanine-Lösung

„Mezzanine-Finanzierung“ ist ein Sammelbegriff für Finanzierungsformen, die zwischen Eigenkapital und Fremdkapital stehen. Rechtlich wird Mezzanine-Kapital häufig als Fremdkapital behandelt. Wirtschaftlich ähnelt es jedoch oft eher dem Eigenkapital. Im Insolvenzfall werden Forderungen daraus in der Regel erst nach normalen Bankkrediten, aber vor reinem Eigenkapital bedient.

Fun-fact: Der Begriff „Mezzanine“ stammt vom italienischen mezzo für „halb“ oder „mittig“ und bezeichnet ursprünglich ein Zwischengeschoss in der Architektur.

Art der Finanzierung: hybride Finanzierungsform, die Elemente von Eigen- und Fremdkapital kombiniert

Typischer Prozess

1. Finanzierungsbedarf klären

  • Wie viel Kapital wird benötigt und wofür?
  • Wie viel Eigenkapital und Bankkredite sind schon da

2. Passende Mezzanine-Form wählen

  • Gemeinsam mit Berater, Bank oder Investor wird festgelegt, welche Struktur zur Situation passt.

3. Kapitalgeber ansprechen

  • Je nach Vorhaben kommen unterschiedliche Kapitalgeber infrage.

4. Prüfung des Unternehmens durch den Kapitalgeber

  • Geprüft werden unter anderem Finanzierungsanlass, Planung, Kennzahlen, Risiken und gegebenenfalls das Rating.
  • Entscheidend ist, ob das Unternehmen die laufenden Zinszahlungen und die spätere Rückzahlung tragen kann.

5. Vertragsgestaltung

  • Typische Konditionen:
  • Volumen: oft ab ca. 2,5 bis fünf Millionen Euro; für kleinere Beträge können Mikromezzanine-Programme infrage kommen
    • Laufzeit: meist fünf bis zehn Jahre, teils länger
    • Verzinsung: aufgrund des höheren Risikos oft deutlich über klassischen Bankkrediten; häufig mit festem Zins und variabler (Erfolgs-)Komponente
    • Weitere Regelungen: Kündigungsmöglichkeiten, Rückzahlungsmodalitäten, Gewinn- oder Wertbeteiligungen

6. Auszahlung und Rückführung

  • Der Kapitalgeber stellt dem Unternehmen Kapital zur Verfügung.
  • Das Unternehmen zahlt während der Laufzeit Zinsen und gegebenenfalls erfolgsabhängige Vergütungen.
  • Die Rückzahlung erfolgt je nach Modell laufend, nach tilgungsfreien Jahren oder am Laufzeitende

Mögliche Kapitalgeber

  • Banken mit Mezzanine-Sparten
  • Beteiligungsgesellschaften
  • Private-Equity- und Mezzanine-Fonds
  • Strategische Investoren
  • Versicherungen und institutionelle Investoren
  • Öffentliche Förderprogramme
  • Private Investoren, Business Angels und Crowdinvesting-Plattformen

Typische Mezzanine-Arten

  • Fremdkapitalähnliche Formen (Debt Mezzanine): nachrangige Darlehen, partiarische Darlehen, typische stille Beteiligung
  • Eigenkapitalähnliche Formen (Equity Mezzanine): Genussscheine, Genussrechte, atypische stille Beteiligungen
  • Mischformen: Wandelanleihen, Optionsanleihen, Gewinnschuldverschreibungen, Aktienanleihen

Vorteile von Mezzanine-Kapital

  • Stärkt die Finanzierungsstruktur und schafft zusätzlichen Spielraum
  • Erhöht die wirtschaftliche Eigenkapitalbasis, verbessert Kennzahlen und kann das Rating positiv beeinflussen (je nach Ausgestaltung)
  • Erhält unternehmerische Kontrolle, da in der Regel keine oder nur begrenzte Stimmrechte abgegeben werden müssen
  • Ermöglicht flexible Vertragsgestaltung

Was ist zu beachten?

  • Mezzanine-Kapital ist meist teurer als ein klassischer Bankkredit (Kapitalgeber trägt ein höheres Risiko).
  • Die Vertragsgestaltung ist oft komplex und sollte eng mit steuerlicher, rechtlicher und bilanzieller Beratung abgestimmt werden.
  • Bei Modellen mit sogenannten Equity-Kickern (zusätzliche Beteiligungsrechte oder Wertsteigerungschancen) können Verwässerungseffekte beim Einfluss auf das eigene Unternehmen entstehen.

Wann eignet sich eine Mezzanine-Finanzierung?

  • Expansion und Wachstum
  • Investitionen
  • Unternehmenskäufe
  • Restrukturierung und Sanierung
  • Stärkung der Eigenkapitalbasis, ohne umfangreiche Stimmrechte abzugeben

 

Sie haben weitere Fragen zur Mezzanine-Finanzierung? Oder wollen wissen, welche Mezzanine-Art für Ihr Unternehmen sinnvoll ist? Unser Experte Ronny Baar ist für Sie da.