In der Restrukturierungspraxis werden zwei grundlegende Perspektiven unterschieden: die finanzwirtschaftliche und die leistungswirtschaftliche Restrukturierung. Beide verfolgen unterschiedliche Ansatzpunkte, sind in der Praxis aber meist eng miteinander verbunden.
Eine finanzwirtschaftliche Restrukturierung zielt vor allem darauf ab, die finanzielle Stabilität eines Unternehmens zu sichern. Sie kommt meist bei angespannter finanzieller Situation zum Einsatz oder schlicht, wenn Optimierungsbedarf an der bestehenden Finanzierungsstruktur besteht. Im Mittelpunkt stehen hier Themen wie Liquidität, Finanzierung, Kapitalstruktur und die Beziehungen zu Finanzierungspartnern.
Zu fragen ist bei dieser Art der Restrukturierung:
- Wie entwickelt sich die Liquidität in den kommenden Monaten?
- Können fällige Zahlungen und Verbindlichkeiten fristgerecht erfüllt werden?
- Wie kann kurzfristig zusätzlicher finanzieller Spielraum geschaffen werden?
- Müssen Finanzierungsstrukturen, Tilgungen oder Covenants angepasst werden?
Nach der Analyse der Situation wird ein Restrukturierungskonzept erstellt. Unternehmen können beispielsweise:
- Eine belastbare integrierte Unternehmensplanung aufbauen
- Tilgungsstrukturen und Covenants anpassen
- Verträge mit Banken und anderen Finanzierungspartnern neu verhandeln
- Alternative Finanzierungsbausteine einbeziehen
- Nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte veräußern
- Investoren oder neue Finanzierungspartner hinzuziehen
Wichtig ist allerdings: Finanzielle Anspannung entsteht nicht ohne Grund. So können dauerhaft zu geringe Margen, ineffiziente Prozesse oder ein nicht mehr tragfähiges Geschäftsmodell die Schieflage verursachen. Wer dann nur auf die finanziellen Symptome reagiert, kratzt lediglich an der Oberfläche und bearbeitet nicht das eigentliche Problem.
Eine leistungswirtschaftliche Restrukturierung setzt beim Operativen an
Wer tiefer gehen möchte, die Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens also tatsächlich nachhaltig verbessern will, muss leistungswirtschaftlich rangehen. Denn hierbei geht es nicht nur darum, Kosten zu senken oder kurzfristig Engpässe zu überbrücken.
Stattdessen wird unter anderem geprüft:
- Mit welchen Produkten und Leistungen verdienen wir tatsächlich Geld? Mit welchen nicht?
- Sind alle Märkte und Geschäftsbereiche langfristig sinnvoll für uns?
- Wo entstehen vermeidbare Kosten und Ineffizienzen?
- Sind Preise und Konditionen nach wie vor angemessen?
- Welche Aktivitäten sollten ausgebaut, verändert oder beendet, welche Verträge überdacht werden?
Werden Schwächen festgestellt, können Unternehmen beispielsweise mit der Schärfung des Geschäftsprofils, der Neuausrichtung des Produkt- und Leistungsportfolios, der Verbesserung von Vertrieb und Preiskalkulation, der Optimierung der Lieferantenstruktur sowie der Neuausrichtung von Verantwortlichkeiten reagieren.
Dabei ist zu beachten:
- Die Effekte solcher Maßnahmen zeigen sich häufig deutlich später als bei kurzfristigen finanzwirtschaftlichen Maßnahmen. Aber es lohnt sich: Der leistungswirtschaftliche Ansatz schafft die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung der Unternehmenssituation.
- Leistungswirtschaftliche Maßnahmen verursachen zunächst Kosten. Heißt: Sie brauchen einen finanziellen Rahmen.
Und die Moral von der Geschicht‘? Eine nachhaltige Restrukturierung gelingt am besten, wenn finanzwirtschaftliche und leistungswirtschaftliche Maßnahmen gemeinsam geplant und umgesetzt werden.
