Steckbrief Unternehmensfinanzierung: Forfaitierung

Gerade bei größeren Maschinen-, Anlagen- oder Exportgeschäften können lange Zahlungsziele viel Kapital binden. Unternehmen müssen teilweise jahrelang auf die vollständige Zahlung warten. Eine Möglichkeit, hier schnell(er) an sein Geld zu kommen: Forfaitierung. Dabei verkauft ein Unternehmen eine einzelne umfassende Forderung und erhält dafür direkt Liquidität.

Gut zu wissen: Das Wort „Forfaitierung“ kommt vom französischen Ausdruck à forfait und bedeutet sinngemäß „in Bausch und Bogen“ oder „zum Pauschalpreis“.

Art der Finanzierung: Forderungsfinanzierung, Sonderform der Außenfinanzierung

Wie funktioniert Forfaitierung?

1. Eine Forderung entsteht

  • Ein Unternehmen liefert beispielsweise eine Maschine ins Ausland.
  • Es räumt seinem Kunden ein längeres Zahlungsziel oder eine Ratenzahlung ein.
  • Dadurch entsteht eine Forderung, auf deren vollständige Begleichung das Unternehmen im Normalfall teils Jahre warten muss.

2. Die Forderung wird verkauft

  • Das Unternehmen (= Forfaitist) nimmt Kontakt zu einer Bank oder einem spezialisierten Finanzierer (= Forfaiteur) auf.
  • Dieser prüft unter anderem die Forderung, den Schuldner und mögliche Risiken.
  • Der Forfaiteur kauft die Forderung und zahlt den vereinbarten Kaufpreis sofort – abzüglich Zinsen, Gebühren und eines Risikoabschlags.

3. Das Unternehmen erhält sofort Liquidität

  • Anstatt bis zum Ende des vereinbarten Zahlungsziels zu warten, kann das Unternehmen über das Geld früher verfügen.
  • Der Forfaiteur trägt das Ausfallrisiko. Zahlt der Kunde später nicht, kann der Forderungskäufer bei einer echten Forfaitierung nicht auf das Unternehmen zurückgreifen. (= „regressloser Verkauf“)

Klingt wie Factoring?

Das Grundprinzip klingt fast identisch: In beiden Fällen verkauft ein Unternehmen Forderungen, um schneller Liquidität zu erhalten.

Der Unterschied:

  • Factoring: In der Regel werden fortlaufend Forderungen aus Lieferungen und Leistungen mit eher kurz- bis mittelfristigen Zahlungszielen verkauft.
  • Forfaitierung: Meist wird eine einzelne, größere Forderung mit mittel- bis langfristiger Laufzeit verkauft.

Forfaitierung eignet sich insbesondere:

  • Wenn Kunden längere Zahlungsfristen eingeräumt werden sollen
  • Bei Export-, Maschinen- und Anlagengeschäften sowie bei Leasingforderungen
  • Bei größeren Einzelgeschäften, wenn viel Liquidität in einzelnen Forderungen gebunden ist
  • Wenn Bonitäts-, Währungs- und Länderrisiken abgesichert werden sollen

Typische Forfaitierungs-Arten

Echte Forfaitierung: Der Forfaiteur übernimmt das Zahlungsausfallrisiko des Schuldners. Kann dieser nicht zahlen, besteht grundsätzlich kein Rückgriff auf den Forderungsverkäufer.

Unechte Forfaitierung: Ein Rückgriff auf den Verkäufer ist für bestimmte Fälle nicht vollständig ausgeschlossen. Welche Risiken bei wem verbleiben, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung ab.

Vorteile der Forfaitierung

  • Unternehmen müssen nicht auf die vollständige Zahlung warten.
  • Lang laufende Forderungen werden in verfügbare Mittel umgewandelt.
  • Die Liquidität entsteht nicht durch die Inanspruchnahme eines klassischen Kredits.
  • Bei echter Forfaitierung geht das Ausfallrisiko auf den Forfaiteur über.
  • Die spätere Zahlung wird durch einen früh verfügbaren, planbaren Betrag ersetzt.
  • Unternehmen können ihren Kunden längere Zahlungsfristen anbieten.
  • Der Verkauf kann zur Reduzierung der Forderungen in der Bilanz beitragen.

Was ist zu beachten?

  • Der Forfaiteur zahlt nicht den vollständigen ausstehenden Forderungsbetrag aus.
  • Nicht jede Forderung eignet sich für eine Forfaitierung. Rechtlicher Bestand, Bonität des Schuldners und Laufzeit werden geprüft.
  • Der Forderungsverkäufer haftet dafür, dass die Forderung tatsächlich und rechtswirksam besteht.
  • Bei Auslandsgeschäften können zusätzlich Länder-, Währungs- und politische Risiken sowie entsprechende Absicherungen eine Rolle spielen.
  • Bei kleineren Forderungsbeträgen kann der Prüf- und Abwicklungsaufwand im Verhältnis zum Finanzierungsvolumen zu hoch sein – sie werden möglicherweise abgelehnt.

 

Sie möchten wissen, ob Forfaitierung für Ihr Unternehmen infrage kommt oder welche andere Form der Finanzierung zu Ihrer Situation passt? Unser Experte Ronny Baar unterstützt Sie gern.