Steckbrief Unternehmensfinanzierung: Finetrading

Finetrading, also Finance und Trading, ist eine Form der Einkaufsfinanzierung. Es handelt sich um ein Dreiecksgeschäft, bei dem ein Unternehmen Waren bei einem Lieferanten bestellt, sie von einem Finanzierungsdienstleister sofort bezahlen lässt und diesen dann zu einem späteren Zeitpunkt auszahlt.

Geschichts-Fact: Das heutige Finetrading-Modell gibt es in Deutschland seit den 2000er Jahren. Die Grundidee ist aber älter. Formen der Einkaufs- oder Warenfinanzierung gab es schon vor der Bezeichnung „Finetrading“.

Art der Finanzierung: Zwischenfinanzierung, Form der Außen- und Fremdfinanzierung

Wie funktioniert Finetrading?

  1. Unternehmen X bestellt Waren, Rohstoffe oder Betriebsmittel bei einem Lieferanten im In- oder Ausland.
  2. Das Unternehmen beauftragt einen spezialisierten Finanzierungsdienstleister (Finetrader).
  3. Im Vertrag werden unter anderem der maximale Finanzierungsrahmen, der Mindest- oder Höchstbetrag je Einkauf, die zugelassenen Waren und Lieferanten und die Laufzeit festgelegt.
  4. Der Finetrader prüft und genehmigt die Transaktion, übernimmt daraufhin den Einkauf und bezahlt den Lieferanten sofort.
  5. Der Finetrader verkauft anschließend die Ware direkt an Unternehmen X weiter und räumt ihm einen späteren Zahlungstermin ein – zum Beispiel 90 oder 120 Tage.
  6. Die Ware wird vom Lieferanten direkt an den Abnehmer geliefert.
  7. Das Unternehmen reicht die Lieferantenrechnung, den Lieferschein und/oder die Lieferbestätigung beim Finetrader ein.
  8. Unternehmen X verarbeitet und verkauft die Ware.
  9. Das Unternehmen bezahlt den Finetrader bis zum vereinbarten Termin.

Besonders sinnvoll ist Finetrading für …

  • Händler mit hohem Wareneinkaufsvolumen
  • Produzierende Unternehmen mit regelmäßigem Materialbedarf
  • Stark wachstumsorientierte Unternehmen
  • Firmen mit saisonalen Geschäften, bei denen zu bestimmten Zeiten hohe Lagerinvestitionen oder Vorfinanzierungen notwendig sind
  • Betriebe, die ihre Bankkreditlinien schonen oder zusätzliche Liquidität benötigen
  • Firmen, deren bestehende Kreditlinien das wachsende Einkaufsvolumen nicht mehr decken können
  • Unternehmen, deren Lieferanten schnelle Zahlungen verlangen

Und wo bekommt der Finetrader das Geld her?

Meist aus einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital:

  • Eigenkapital: etwa von Gesellschaftern, Investoren, einer Muttergesellschaft, einbehaltenen Gewinnen
  • Fremdkapital: etwa aus Bankkrediten, Fonds, Family Offices, Schuldverschreibungen

Vorteile von Finetrading

  • Das Unternehmen kann die Ware bereits verarbeiten und verkaufen, bevor die Zahlung fällig ist.
  • Die Liquidität wird geschont. Vorübergehende Engpässe sind überbrückbar.
  • Da der Lieferant sein Geld schnell erhält, kann er gegebenenfalls Vergünstigungen gewähren.
  • Zudem wird die Beziehung zum Lieferanten gestärkt.
  • Die Abhängigkeit von der Hausbank wird reduziert: Bestehende Kreditlinien werden in der Regel nicht unmittelbar belastet.
  • Statt zu warten, bis ausreichend Mittel vorhanden sind, um zu Zeitpunkt X wichtige Waren einzukaufen, können Unternehmen sofort agieren und den Bezahltermin nach hinten schieben.
  • Unternehmen können vorausschauend größere Mengen kaufen.
  • Die operativen Einkaufsprozesse bleiben vom Finetrading grundsätzlich unberührt. Preisverhandlungen, Bestellungen, Warenlieferungen und -kontrollen erfolgen weiterhin zwischen dem Unternehmen und dem Lieferanten.

Das ist zu beachten

  • Finetrading verursacht Gebühren und ist häufig teurer als ein klassischer Bankkredit.
  • Zur Absicherung des Risikos verlangen viele Finetrader eine Kreditversicherung. Dafür prüft der Versicherer die Bonität. In der Regel sind die Hürden jedoch geringer als bei einer Bank.
  • Das Verfahren eignet sich vor allem für Waren und Umlaufvermögen, nicht für größere Investition.
  • Der Finetrader kann für die Auszahlung Unterlagen wie Bestellungen, Rechnungen, Liefernachweise oder Abnahmebestätigungen verlangen.
  • Bei Mängeln, Retouren oder Lieferstreitigkeiten muss der Finetrader frühzeitig informiert werden. Es bestehen meist vertragliche Mitwirkungs- und Informationspflichten.
  • Streitigkeiten sind mit dem Lieferanten selbst zu klären.

Finetrading klingt für Sie interessant? Unser Experte Simon Leopold hilft Ihnen dabei, abzuwägen, ob die Finanzierung für Sie sinnvoll ist und wie sie umzusetzen ist.