Ob solide oder suboptimale Unternehmenszahlen: In Finanzierungsgesprächen entscheidet selten allein das Zahlenwerk. Zentral ist, wie Geschäftsführung und Finanzabteilung Kennzahlen wie Cashflow und Umsatz erklären, einordnen und vertreten. Denn schlechte Kommunikation kann gute Zahlen entwerten, gute Kommunikation dagegen schlechte Zahlen nachvollziehbar machen. Doch wie geht gute Finanzkommunikation?
Strategische Entscheidungen, die Unternehmensentwicklung und Geschäftszahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow oder Verschuldung sprechen meist nicht für sich selbst. Zwar gelten Zahlen allgemein als objektiv und eindeutig, tatsächlich werden sie jedoch immer interpretiert und in einen Kontext gesetzt. Erfolgt diese Einordnung nicht durch das Unternehmen selbst, übernehmen andere diese Aufgabe.
Zu diesen „anderen“ zählen etwa:
- Investoren und Banken
- Gesellschafter
- Mitarbeiter
- Kunden und Lieferanten
- Medien und Öffentlichkeit
- Behörden und Gerichte (z. B. in Krisen- oder Insolvenzphasen)
Zahlen müssen erklärt werden
Unternehmenszahlen in einen Kontext zu setzen, bedeutet nicht, sie in Geschäfts- oder Quartalsberichten, Pressemitteilungen, Bankengesprächen oder Mitarbeiterversammlungen zu beschönigen oder zu verschleiern. Im Gegenteil: Gute Finanzkommunikation sollte proaktiv sein und sie lebt von Klarheit sowie Ehrlichkeit. Entscheidend ist, nicht nur das Was zu kommunizieren, sondern auch das Wann und das Warum. Zahlen müssen erklärt werden und das am besten nicht nur einmal im Jahr, sondern fortlaufend.
Gerade für Finanzierer ist Finanzkommunikation ein zentrales Instrument zur Risikobewertung. Sie prüfen unter anderem:
- Versteht das Management die eigenen Zahlen?
- Werden Abweichungen nachvollziehbar erklärt?
- Wurden Risiken erkannt und sind sie steuerbar?
- Ist der Ausblick realistisch?
Mögliche Folgen schlechter Finanzkommunikation
Gerade in kritischen Unternehmensphasen wie Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozessen, Wachstum und Nachfolgen entscheidet die Qualität der Finanzkommunikation maßgeblich darüber, ob angestrebte Maßnahmen des Betriebs verstanden, akzeptiert und mitgetragen werden.
Unklare oder ausweichende Erklärungen werden häufig automatisch als Risiko gewertet – selbst dann, wenn die Kennzahlen objektiv gut erscheinen.
Typische Fehlinterpretationen ohne Einordnung:
- Gewinn sinkt → „Das Geschäftsmodell schwächelt“
- Investitionen steigen → „Die Liquidität wird knapp“
- Kosten steigen → „Das Management hat die Kontrolle verloren“
Die Folgen können erheblich sein: Finanzierer halten sich zurück, Kunden und Lieferanten verlieren Vertrauen und Mitarbeiter sorgen sich um ihre Perspektive, kündigen im schlimmsten Fall. Kurz gesagt: Zentrale Stakeholder werden nervös.
Was macht gute Finanzkommunikation aus?
Verantwortlich für die Kommunikation von Geschäftszahlen, Entscheidungen und Entwicklungen sind Geschäftsführung und Finanzabteilung. Gute Finanzkommunikation:
- setzt Zahlen in Relation (Plan, Vorjahr, Vergleichswerte),
- trennt Einmaleffekte von strukturellen Entwicklungen,
- benennt Ursachen statt Symptomen,
- zeigt bereits eingeleitete Maßnahmen sowie nächste Schritte und
- vermittelt eine realistische Perspektive.
So können auch schwierige Zahlen verständlich gemacht werden.
Wichtig dabei:
- Aussagen verschiedener Unternehmensvertreter – etwa CEO und CFO – dürfen sich nicht widersprechen. Konsistenz ist ein zentraler Vertrauensfaktor.
- Jede Zielgruppe ist anders und benötigt teils spezifische Informationen und eine andere Sprache. Gute Finanzkommunikation unterscheidet zwischen externen und internen Stakeholdern, in der Detailtiefe und bei den Kernaussagen.
Sie haben Fragen zur Finanzkommunikation oder möchten die Kommunikation mit Ihren Stakeholdern optimieren? Wenden Sie sich gern an unsere Expertin Ramona Olenizak.
