Augustenhilfe Albstadt stellt sich wirtschaftlich neu auf

  • Leistungen der Augustenhilfe laufen uneingeschränkt weiter
  • Löhne der Mitarbeitenden bis Jahresende durch Insolvenzgeld gesichert
  • Sanierungsteam lotet Fortführungslösung aus

(Albstadt, 24.09.2026) Mit einer Sanierung in Eigenverwaltung will sich die Stiftung Augustenhilfe Albstadt wirtschaftlich stabiler aufstellen. Der Betrieb läuft uneingeschränkt weiter.

Das Amtsgericht Hechingen hat ein vorläufiges gerichtliches Sanierungsverfahren angeordnet. Mit Beschluss vom 23. September 2026 kam das Gericht damit dem Antrag des regionalen Trägers von Altenpflegeeinrichtungen auf eine Sanierung in Eigenverwaltung nach. Die Stiftung Augustenhilfe Albstadt als Mitglied der Diakonie Württemberg betreibt unter anderem das Seniorenpflegeheim Augustenhilfe in Albstadt-Ebingen sowie das Pflegeheim im Seniorenzentrum Albstadt Tailfingen. Aufgrund einer Kostenunterdeckung eines Bauprojekts und der schwierigen Lage in der Pflegebranche geriet die Stiftung in eine angespannte finanzielle Situation.

„Der Gang in die gerichtliche Sanierung ist definitiv kein leichter Schritt. Aber er bietet uns die Chance, unsere Stiftung wirtschaftlich neu aufzustellen sowie weiterhin und ohne Abstriche für die Menschen da zu sein, die uns brauchen. Unsere Mitarbeiter wurden bereits informiert und stehen hinter uns. Ihnen und allen Bewohnern und Angehörigen danke ich von ganzem Herzen für ihr Vertrauen und ihren Rückhalt in der derzeitigen Lage“, sagt Torsten Marquardt, Vorstand und kaufmännischer Leiter der Augustenhilfe Albstadt. Die vorläufige Eigenverwaltung gibt der Leitung der Augustenhilfe die Möglichkeit, das operative Geschäft weiterzuführen, während von einem Sanierungsteam aussichtsreiche Sanierungsoptionen geprüft und entwickelt werden, die später umgesetzt werden können.

Die Voraussetzungen, um die Stiftung neu aufzustellen und den Fortbestand ihrer Einrichtungen zu sichern, sind gut: „Erste Maßnahmen zur Stabilisierung sind bereits eingeleitet worden. So sind die Löhne und Gehälter der 244 Mitarbeitenden für die Monate Oktober, November und Dezember 2026 durch das vorfinanzierte Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert. Zudem wird der Geschäftsbetrieb rund um die Seniorenpflege ohne Einschränkungen fortgeführt“, erklärt Rechtsanwalt Christian Otto von der Kanzlei hermann wienberg wilhelm. Er unterstützt und berät den Vorstand gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Döhner, der zum Generalbevollmächtigten der Stiftung bestellt wurde, in allen insolvenz- und sanierungsrechtlichen Fragen. Unter anderem haben die Experten die Stiftung bei der Vorbereitung der Antragstellung begleitet.

Zum Sanierungsteam gehört auch Simon Leopold, Geschäftsführer der ABG Consulting-Partner GmbH und Co. KG. Als weiterer Generalbevollmächtigter begleitet er die Augustenhilfe Albstadt gemeinsam mit seinem Team kaufmännisch. Er sagt: „Bei der Stiftung ist ein gesunder wirtschaftlicher Kern, und damit eine essenzielle Voraussetzung für die Neuaufstellung, vorhanden. Außerdem ist die Arbeit, die hier vom Träger geleistet wird, für ganz viele Menschen in der Region unverzichtbar. Wir werden deshalb mit Nachdruck gemeinsam mit der Geschäftsleitung prüfen, wie wir die finanzielle Stabilität sichern und den Pflegeeinrichtungen eine tragfähige Zukunft ermöglichen können.“

Das Sanierungsteam wird in den nächsten Tagen und Wochen die aussichtsreichsten Sanierungswege genau unter die Lupe nehmen und ergebnisoffen nach der besten Lösung für die Einrichtungen, Bewohner und ihre Angehörigen suchen.

Um das nun eingeleitete Verfahren im Sinne der Gläubiger zu überwachen, ist Rechtsanwalt Dr. Thorsten Schleich von der Kanzlei SCHLEICH & PARTNER mbB RECHTSANWÄLTE vom Amtsgericht Hechingen zum vorläufigen Sachwalter bestellt worden. Er ist guter Dinge, dass eine Restrukturierung der Stiftung gelingen wird: „Für viele ältere Menschen und ihre Angehörigen in der Region sind die Einrichtungen und Angebote alternativlos. Der Erhalt der Augustenhilfe ist allen Beteiligten deshalb ein sehr ernstes Anliegen. Auch der vorläufige Gläubigerausschuss hat unter diesen Vorzeichen bereits seine Arbeit aufgenommen. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass hier eine nachhaltige Sanierung gelingen wird“, so Rechtsanwalt Dr. Schleich.

„Die Stadt Albstadt wird die Bemühungen der Augustenhilfe zur Neuaufstellung in jeder möglichen Hinsicht unterstützen“, erklärt Oberbürgermeister Roland Tralmer die jüngste Entwicklung. Die Augustenhilfe ist aus Sicht der Stadt eine der renommiertesten Einrichtungen der Seniorenpflege und ein maßgeblicher sozialer Anker für eine generationengerechte Stadt. Eine Stadt Albstadt ohne „Augustenhilfe“ sei nicht vorstellbar, so Tralmer.

Für die Evangelische Landeskirche und die Diakonie Württemberg steht während des Verfahrens das Wohlergehen der betreuten und beschäftigten Menschen im Mittelpunkt. Sie setzen sich dafür ein, dass die Arbeits- und die Pflegeplätze in diakonischer Trägerschaft erhalten bleiben. 

Kosten für Bauprojekt erfordern Sanierung der traditionsreichen Stiftung

Die diakonische Stiftung kann auf eine fast 200-jährige Historie zurückschauen. Sie wurde 1840 in Ebingen als evangelische „Kinderrettungsanstalt“ gegründet. Seit 1938 werden in dem vormaligen „Waisenhaus“ in Ebingen alte und pflegebedürftige Menschen betreut. In späteren Jahrzehnten wurden die Kapazitäten sukzessiv ausgebaut.

 

Wesentliche Ursachen der angespannten Liquiditätslage sind neben den branchentypisch steigenden Kosten vor allem Verluste bei der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts eines Ersatzneubaus in Albstadt. Er wurde errichtet, um das Haus Sonnenstraße/Ulrichstraße zu ersetzen, das nicht mehr dauerhaft für die Alterspflege genutzt werden kann. Dadurch und durch Personalvorhaltekosten für den zweiten Bauabschnitt hatte sich der Betrieb der Stiftung zunehmend defizitär entwickelt. Überdies waren die Baukosten nicht mehr vollständig gedeckt. Es drohte Zahlungsunfähigkeit. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand bei Gericht ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt, um eine Fortführungslösung für die Stiftung beziehungsweise für die betroffenen Pflegeeinrichtungen zu erreichen.

Über die Stiftung Augustenhilfe Albstadt

Die Stiftung Augustenhilfe mit Sitz in Albstadt-Ebingen bietet älteren und pflegebedürftigen Menschen umfassende Pflege- und Betreuungsangebote. Die Historie der Stiftung geht bis auf das Jahr 1840 zurück. An den drei Standorten Haus Sonnenstraße, Haus am Waisenwegle und Haus Ulrichstraße stellt die Stiftung vollstationäre Pflege bereit. Im Mittelpunkt stehen eine bedarfsgerechte pflegerische Versorgung und die Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag. Daneben wird gemeinsam mit der Wohnungsbaugenossenschaft Tailfingen betreutes Wohnen angeboten.