Steckbrief Unternehmensfinanzierung: Factoring

Factoring ist ein Finanzierungsinstrument, bei dem Unternehmen ihre offenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an einen spezialisierten Finanzdienstleister verkaufen. Das Ziel: sofortige Liquidität generieren.

Das Prinzip des Forderungskaufs reicht fast 5.000 Jahre zurück. Über die „Faktoreien“ des Mittelalters und die Handelshäuser im Amerika des 17. Jahrhunderts entwickelte sich das Instrument stetig weiter. In den 1950ern erreichte es auch den deutschen Markt.

Art der Finanzierung: Sonderform der Außenfinanzierung

Wie funktioniert Factoring?

  1. Ein Unternehmen erbringt eine Leistung oder liefert Ware an einen Kunden. Die Rechnung wird regulär erstellt, eine Kopie geht an den Factoring-Anbieter (Factor).
  2. Nach kurzer Prüfung überweist der Factor meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden 80 bis 90 Prozent des Rechnungsbetrages.
  3. Der Kunde begleicht die Rechnung innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels. Die Zahlung erfolgt meist direkt auf das Konto des Factors.
  4. Der Factor überweist die restlichen 10 bis 20 Prozent der Rechnungssumme.
  5. Bei der finalen Abrechnung zieht der Factor seine Gebühr ab.

Wichtige Factoring-Arten

  • Echtes Factoring: Der Factor übernimmt das Risiko eines Zahlungsausfalls.
  • Unechtes Factoring: Das Ausfallrisiko bleibt beim Unternehmen.
  • Offenes Factoring: Der Kunde wird über den Forderungsverkauf informiert; zahlt direkt an den Factor.
  • Stilles Factoring: Der Forderungsverkauf bleibt für den Kunden verborgen; er zahlt weiter an das Unternehmen.
  • Full-Service-Factoring: umfasst Finanzierung, Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Inkasso.
  • Inhouse-Factoring: Das Unternehmen behält Mahnwesen und Buchhaltung intern; der Factor übernimmt vor allem Finanzierung und Ausfallrisiko.
  • Ausschnittsfactoring: nur bestimmte Forderungen werden verkauft.
  • Reverse Factoring: Finanzierung der Lieferantenrechnung über den Factor – vom Kunden initiiert.

Vorteile von Factoring

  • Sofortige Liquidität: Ein großer Teil des Rechnungsbetrags wird schnell ausgezahlt.
  • Mehr Planungssicherheit: Unternehmen müssen nicht auf die Zahlungen ihrer Kunden warten.
  • Bessere Kundenbeziehung: Unternehmen können ihren Kunden bei Bedarf längere Zahlungsfristen gewähren.
  • Ausfallschutz: Unternehmen erhalten ihr Geld auch, wenn Kunden nicht zahlen.
  • Entlastung intern: Mahnwesen und Inkasso können ausgelagert werden. Das schafft mehr Zeit und Ressourcen für das Kerngeschäft.
  • Mehr Handlungsspielraum: Unternehmen können Skonti nutzen, Investitionen schneller angehen und saisonale Schwankungen ausgleichen.

Was ist zu beachten?

  • Es fallen Factoring-Gebühren und marktübliche Zinsen, je nach Länge des Zahlungsziels, an.
  • Kunden haben den Forderungsverkauf lange Zeit als Signal für finanzielle Schwierigkeiten gedeutet. Heutzutage ist Factoring jedoch längst zum professionellen Steuerungstool geworden.
  • Nicht alle Forderungen sind factorabel:
    • Factoringfähig: Offene Forderungen aus bereits abgenommenen Lieferungen und vollständig erbrachten Leistungen; frei von Rechten Dritter, ohne Streitigkeiten, meist mit einem Zahlungsziel von maximal 90 Tagen.
    • Nicht factoringfähig: bereits überfällige Forderungen, Ratenzahlungen, Rechnungen von Kunden des Unternehmens mit schlechter Bonität, reines Bar- oder Kartengeschäft, Forderungen mit Anrechten Dritter

Wann eignet sich Factoring?

  • Bei langen Zahlungszielen und hohem Vorfinanzierungsbedarf
  • Wenn Unternehmen schnell wachsen wollen
  • Bei schwankenden Umsätzen
  • Wenn die Buchhaltung überlastet ist
  • Bei hohen offenen Außenständen
  • Wenn Unternehmen von wenigen großen Kunden abhängig sind

 

Sie haben weitere Fragen zum Factoring? Oder wollen wissen, ob das Werkzeug für Ihr Unternehmen sinnvoll ist? Unsere Expertin Ramona Olenizak ist für Sie da.