Der deutsche Mittelstand steuert auf eine Lücke zu: Laut KfW droht bis 2029 über einer halben Million Betrieben die Stilllegung. Das Problem? Nicht fehlender Erfolg, sondern fehlende Nachfolger. Wenn die eigene Familie nicht übernehmen kann oder will, wird die externe Nachfolge zum Rettungsanker und vor allem zur Chance auf Weiterentwicklung.
Laut dem aktuellen KfW-Nachfolge-Monitoring droht eine Stilllegungswelle: Bis 2029 könnten rund 569.000 Unternehmen vom Markt verschwinden – das sind etwa 114.000 Schließungen pro Jahr. Nicht etwa, weil die Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren, sondern weil die strukturellen Hürden wachsen:
- 57 Prozent der Inhaber sind 55 Jahre oder älter
- Die nächste Generation in der Familie winkt ab
- Die überbordende Verwaltung schreckt ab
- Die Nachfolgesuche ist nicht erfolgreich
Folge: Immer mehr eigentlich gesunde Unternehmen verschwinden.
Nachfolgen sind notwendig
Angesichts dieser ungünstigen Vorzeichen bleibt die Nachfolge die wichtigste Zukunftsaufgabe der deutschen Wirtschaft. Es geht um den Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, wertvollem Know-how und Lieferketten. Gerade im Mittelstand sind Unternehmen oft tief im lokalen Ökosystem verankert. Ihre Stilllegung hinterlässt Lücken, die sich nicht ohne Weiteres schließen lassen.
Der Wille ist da: Rund 545.000 Unternehmen suchen bis Ende 2029 aktiv nach einer Nachfolgelösung. Viele bevorzugen dabei einen familieninternen Weg.
Das familiäre Ideal
Familieninterne Nachfolge wird kulturell oft als Goldstandard betrachtet. Doch die Realität hat sich verändert:
- Karriereoptionen außerhalb des Familienbetriebs sind attraktiver
- Risikobereitschaft sinkt
- Die Work-Life-Ballance verändert sich
- Nachfolgegenerationen sind geburtenschwächer
Jüngere Familienmitglieder entscheiden sich bewusst gegen die Übernahme des elterlichen Betriebs oder sind erst gar nicht vorhanden. Entsprechend sollten frühzeitig auch externe Lösungen in Betracht gezogen werden.
Externe Nachfolge als Innovationsmotor
Eine außer-familiäre Übergabe sollte dabei nicht als Notlösung begriffen werden. Potenzielle Übernehmer bringen meist neue Perspektiven, Ideen und Möglichkeiten mit:
- Digitalisierungskompetenz
- Neue Geschäftsmodelle
- Frische Marktstrategien
- Internationale Erfahrung
- Modernen Führungsstil
Viele erfolgreiche Übergaben führen dadurch zu Wachstumsschüben.
Damit das gelingt, sollte die Nachfolge allerdings mindestens fünf Jahre vor dem geplanten Ausstieg vorbereitet werden. So haben Verkäufer und Käufer Zeit, zentrale Aufgaben zu erledigen.
Die Aufgaben des Verkäufers: das Feld bereiten
- Buchhaltung auf den neuesten Stand bringen
- Eine unabhängige Einschätzung des Unternehmenswertes einholen
- Stärken ausbauen
- Dringende Investitionen tätigen
Wichtig: Dinge, die weiterhin optimierbar sind, müssen offen und vollständig kommuniziert werden. Sollten potenzielle Käufer auf unterschlagene Mängel stoßen, können Geschäfte schnell platzen.
Die Aufgaben des Käufers: das Fundament legen
Wenn die Tochter, der Sohn oder die Enkel übernehmen, wissen Banken, Kunden und Mitarbeiter in der Regel, woran sie sind. Die bereits aufgebaute Vertrauensbasis bleibt meist bestehen und das Risiko von Know-how-Verlusten ist minimal. Externe Nachfolgen haben diese Vorzüge von Natur aus nicht. Übernehmer müssen Vertrauen erst aufbauen. Wichtig hierbei:
- Der Historie des Hauses mit Respekt begegnen.
- Strukturierter Wissenstransfer: Das implizite Wissen des Alt-Inhabers darf nicht mit dem Tag der Schlüsselübergabe verloren gehen.
- Transparenz gegenüber der Belegschaft. Wer frühzeitig das Gespräch sucht und eine klare Vision für die Zukunft präsentiert, verwandelt Skepsis in Loyalität.
Sie haben Fragen zur externen Nachfolge oder benötigen Unterstützung bei einer Übergabe oder Übernahme? Unser Experte Simon Leopold ist für Sie da.
