Regionaler Automobilzulieferer MoldTecs saniert sich in Eigenverwaltung
- Löhne der Mitarbeiter gesichert
- Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter
- Ziel: Erhalt und schnelle Neuaufstellung des Unternehmens
(Sonneberg / Bad Harzburg, 15.05.2026) Das Amtsgericht Meinigen hat am 6. Mai 2026 ein vorläufiges Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung für die MoldTecs GmbH angeordnet. Zuvor hatte der regionale Lieferant für Präzisions-Kunststoffbauteile einen entsprechenden Antrag eingereicht. Seine Krise geht auf eine ganze Reihe von Ursachen zurück. Dazu zählen die rückläufige Nachfrage in der zentralen Kundenbranche Automotive, der internationale Preisdruck und die gestiegenen Kosten für Material und Energie. Das nun eingeleitete vorläufige Eigenverwaltungsverfahren gibt dem Betrieb die Möglichkeit, sich unter gerichtlichem Schutz umfassend neu aufzustellen. Die Geschäftsführung leitet dabei weiter das operative Geschäft und wird lediglich vom gerichtlich bestellten vorläufigen Sachwalter, Rechtsanwalt Prof. Dr. Christoph Alexander Jacobi von der Kanzlei STAPPER | JACOBI | SCHÄDLICH RECHTSANWÄLTE im Sinne der Gläubiger überwacht.
Die Mitarbeiter und Kunden des Unternehmens wurden bereits über die besondere Situation informiert. Sie stehen zu ihrem Traditionsbetrieb und tragen den eingeschlagenen Kurs der Neuaufstellung mit. Die Verfahrenseinleitung geschah dabei nicht ad hoc, wie der Geschäftsführer der MoldTecs GmbH, Dr. Wolfgang Lichtenwalder, erklärt: „Wir haben diesen Schritt bewusst gewählt und sorgfältig vorbereitet. Das Eigenverwaltungsverfahren gibt uns die dringend benötigte Handlungsfähigkeit, die bereits begonnene und unbedingt notwendige Transformation schnell und geordnet umzusetzen. Damit können wir MoldTecs wieder nachhaltig am Markt positionieren.“
Löhne der Mitarbeiter gesichert
Wichtige Meilensteine wurden in dem noch jungen Verfahren bereits erreicht, wie der Generalbevollmächtigte Dr. Felix Melzer, MBA, Partner der Wirtschaftskanzlei act legal berichtet: „Wir haben hier ein Unternehmen mit einem soliden wirtschaftlichen Kern, einem engagierten Management und einer motivierten Belegschaft. Zudem unterstützen uns auch die Kunden und der Gesellschafter sehr konstruktiv. Dadurch können der Geschäftsbetrieb trotz des vorläufigen Sanierungsverfahrens uneingeschränkt weiterlaufen und Kunden wie gewohnt beliefert werden. Die Löhne und Gehälter der 530 Mitarbeiter sind durch das Insolvenzgeld für die Monate Mai, Juni und Juli abgesichert, danach übernimmt das Unternehmen wieder regulär die Lohnzahlungen“ Das Team von act legal um die Partner Dr. Sven Tischendorf, MBA, Dr. Alexander Höpfner und Dr. Fabian Laugwitz unterstützt neben Melzer den eigenverwaltenden Geschäftsführer in allen insolvenzrechtlichen Fragen. Im Hinblick auf wirtschaftliche Beratung und das Liquiditätscontrolling wurde ein Team um den KPMG-Partner Dr. Philipp Volmer beauftragt. Die kaufmännische Begleitung wird durch Simon Leopold von der ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG realisiert.
Aktuell lotet das Sanierungsteam mit Hochdruck alle Optionen aus, um das Unternehmen schnellstmöglich neu und stabil für die Zukunft aufzustellen und den Mitarbeitenden eine tragfähige Perspektive zu ermöglichen. Dabei ist die Übergabe an einen geeigneten Investor ebenso denkbar, wie die Sanierung über einen Insolvenzplan. Die Eröffnung des Verfahrens ist für Ende Juli, Anfang August 2026 geplant. Das Ziel ist eine Lösung bis Ende des Jahres.
Schwieriges Marktumfeld machte Sanierung unausweichlich
Das regionale Unternehmen mit Sitz in Sonneberg und einem weiteren Standort in Bad Harzburg blickt auf eine bereits jahrzehntelange Tradition in der Fertigung von Kunststoffbauteilen zurück. In den letzten Jahren hatte sich das Marktumfeld der MoldTecs GmbH jedoch tiefgreifend verändert: Rückläufige Nachfrage, schwächere Auftragslage bei den Kunden, internationaler Kostendruck insbesondere durch Wettbewerber aus Asien und Osteuropa, gestiegene Energie- und Standortkosten sowie die aktuellen internationalen Krisenherde stellten den Betrieb vor erhebliche Schwierigkeiten. Die Geschäftsleitung hatte sich diesen veränderten Rahmenbedingungen frühzeitig gestellt, ein umfassendes Transformationskonzept erarbeitet und dessen Realisierung begonnen. Da sich die Marktbedingungen zuletzt jedoch unvorhersehbar schnell zugespitzt hatten, war die Umsetzung des Transformationsprozesses außergerichtlich nicht mehr schnell genug durchführbar, um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Deshalb entschied sich die Geschäftsführung rechtzeitig und folgerichtig für den Antrag auf gerichtliche Sanierung in Eigenverwaltung.
Der vom Gericht bestellte vorläufige Sachwalter, Prof. Dr. Christoph Alexander Jacobi, blickt indes zuversichtlich auf die eingeleitete Sanierung: „Alle im MoldTecs-Team sind gut informiert und motiviert. Zudem wurden die OEMs als zentrale Kunden sofort aktiv und transparent mit in das Verfahren eingebunden. Der vorläufige Gläubigerausschuss hat seine Arbeit aufgenommen, ist gesprächsbereit und dürfte für konstruktive Lösungen jederzeit offen sein. Alle stehen hinter dem eingeschlagenen Sanierungsweg, was eine gute Ausgangsbasis für das Verfahren bedeutet.“
