Führungskräfte, Enkel oder doch Externe – wer tritt die Nachfolge an?

Viele Inhaber mittelständischer Unternehmen möchten in den Ruhestand gehen – doch es mangelt an geeigneten Nachfolgern innerhalb der Familie. Wie kann der Generationenwechsel dennoch gelingen? Die Devise lautet: Frühzeitig planen, offen denken – und die Lösung finden, die zum Unternehmen und seiner Kultur passt. Unser Beitrag bietet einen Überblick über Nachfolgemodelle.

Der deutsche Mittelstand steht an einem kritischen Punkt: Die Inhabergeneration erreicht mit im Schnitt 65,4 Jahren ein neues Rekordalter, während geeignete Nachfolger immer schwerer zu finden sind. Laut KfW-Nachfolge-Monitoring planen bis Ende 2025 rund 215.000 KMU eine kurzfristige Übergabe. Doch nur 26 Prozent haben bereits einen geeigneten Nachfolger gefunden. Auf der anderen Seite ziehen 231.000 Unternehmen eine komplette Geschäftsaufgabe in Betracht.

Wer einen passenden Nachfolger finden will, sollte den Blick weiten: Die Übergabe kann auf unterschiedlichen Wegen gelingen. Entscheidend ist, das Modell zu wählen, das zur Unternehmenssituation und den eigenen, strategischen Zielen des Inhabers passt.  

Viele Wege führen zur Übergabe

Familieninterne Nachfolge

Die klassische Variante: Kinder, Enkel oder nahe Verwandte übernehmen den Betrieb. Diese Lösung wünschen sich viele Unternehmer – aus guten Gründen: Die Unternehmenskultur bleibt meist erhalten, die Nachfolger sind emotional an den Betrieb gebunden und die Mitarbeiter müssen sich nicht auf neue Gesichter einstellen.

Aber: Immer häufiger fehlt das Interesse innerhalb der Familie. Laut KfW hängt fast jede zweite geplante Betriebsaufgabe genau damit zusammen. Der „Automatismus“ familiärer Nachfolge funktioniere heute nicht mehr, so die Vermutung der Studienmacher.

Management-Buy-Out (MBO)

Rund 30 Prozent der KMU ziehen laut KfW eine Nachfolge durch leitende Mitarbeiter in Betracht. Die Vorteile liegen auch hier auf der Hand:

  • Der Nachfolger kennt das Unternehmen, die Kunden und die internen Prozesse sehr gut.
  • Das Team bringt ihm meist seit Langem Vertrauen entgegen.
  • Der Übernehmer kann in seine Position hineinwachsen: fließende Übergabe.

Wichtig ist jedoch: den Nachfolger frühzeitig auswählen und langfristig planen. Eine rechtzeitige Vorbereitung durch Weiterbildung, Mentoring und Einführung in die kommenden Aufgaben ist essenziell.

Übergabe an Miteigentümer

In rund elf Prozent der Fälle wird die Nachfolge an Miteigentümer – etwa bestehende Gesellschafter – in Betracht gezogen. Auch diese kennen das Unternehmen bereits gut, sind oft langjährig eingebunden und genießen Vertrauen bei Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Eine lange Einarbeitungszeit entfällt daher weitgehend und die Kontinuität im Unternehmen bleibt meist erhalten.

Wichtig: Es sollte sicher sein, dass der oder die Gesellschafter auch die nötigen Skills für die Position als alleinige Geschäftsinhaber oder Geschäftsführer besitzen. Eine klare Abstimmung zu Entscheidungsbefugnissen, Rollenverteilung und strategischer Ausrichtung ist ebenfalls unerlässlich, um Reibungsverluste zu vermeiden.

Management-Buy-In (MBI)

Wenn sich weder im Familienkreis noch im Unternehmen geeignete Nachfolger finden, kann ein Verkauf an erfahrene externe Führungskräfte eine Lösung sein. Diese verfügen meist über unternehmerisches und Branchen-Know-how und bringen frische Perspektiven ein.

Allerdings kennen sie den Betrieb zunächst nur von außen. Die Einarbeitung in interne Abläufe, Strukturen und die Unternehmenskultur erfordert Zeit und ein hohes Maß an Offenheit auf beiden Seiten. Zudem verfolgen Externe häufig eigene strategische Ziele – etwa die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle. Eine offene Auseinandersetzung damit und möglichen Veränderungen im Unternehmen ist essenziell.

Es gibt natürlich noch weitere externe Übergabemöglichkeiten, etwa über einen Wettbewerber, der das Unternehmen das strategischer Investor übernimmt. Auch die Übergabe an Finanzinvestoren, etwa Private-Equity-Gesellschaften, ist möglich. Mehr dazu in einem weiteren Beitrag.

Noch ein Praxistipp zum Schluss: Vor allem in der Anfangszeit sollten Unternehmer mehrere Modelle der Nachfolgeplanung in Erwägung ziehen, um sich selbst nicht zu sehr einzuschränken. Doch egal, ob intern oder extern, mit der Übergabeplanung sollte mindestens drei bis fünf Jahr zuvor begonnen werden. 

Sie haben Fragen oder benötigen Unterstützung bei Ihrer Nachfolgeplanung? Wenden Sie sich gern an unseren Experten Ronny Baar.